Read Der Wendepunkt: Ein Lebensbericht by Klaus Mann Online

der-wendepunkt-ein-lebensbericht

Der Wendepunkt erz hlt ein Leben, beschreibt ein Generationen Schicksal, illustriert eine Epoche Walter Jens Klaus Manns Erinnerungsbuch geh rt zu den wichtigsten Autobiographien des 20 Jahrhunderts Es ist der Spiegel eines ungew hnlichen Lebens und eine gl nzend geschriebene Schilderung von Zeit und Kulturgeschichte....

Title : Der Wendepunkt: Ein Lebensbericht
Author :
Rating :
ISBN : 3499244098
ISBN13 : 978-3499244094
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Taschenbuch Auflage 5 Auflage, Erweiterte Neuausgabe 1 November 2006
Number of Pages : 896 Seiten
File Size : 685 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Der Wendepunkt: Ein Lebensbericht Reviews

  • Dr. J. Fähnle
    2019-03-04 19:01

    Gleichberechtigt neben den Erinnerungen "Die Welt von gestern" von Stefan Zweig stehen für mich die Lebenserinnerungen Klaus Manns. Zeitlebens eine tragische Gestalt, die seit Jugendzeiten von Suizidabsichten heimgesucht wurde, erweist sich Mann als ein hoch gebildeter Kosmopolit, der im Gegensatz zum Gros der deutschsprachigen Exilschriftsteller immer den Anschluss an die einheimischen Autoren des Landes suchte, in dem er sich gerade aufhielt. Das Los des kämpferischen Antifaschisten, der im Kampf gegen Hitlerdeutschland eine Lebensaufgabe gefunden hatte und nach 1945 in ein tiefes Loch fiel und fortwährend mit Drogenproblemen zu kämpfen hatte, wurde vom Bruder Golo in den "Erinnerungen an meinen Bruder Klaus" (zu finden in dem Band Klaus Mann: Briefe und Antworten) geschildert: "1937 habe ich in Prag erlebt, wie es mit ihm stand, wenn die schurkische Quelle versagte, die Qual des Wartens, die Jagden durch die Stadt von einer Apotheke zur anderen [...]." Rastlos durchwanderte der Sohn Thomas Manns die Hotels in Europa und den USA, luxuriöse und schäbige. Im Oktober 1941 intensivierte er seine Bemühungen, in die US-Armee aufgenommen zu werden. Diese Bemühungen fallen zusammen mit schier übermächtigen Todessehnsüchten, die er seinem Tagebuch anvertraut, nur um sie später "ungefiltert" dem ohnehin nur aus, teilweise fingierten, Tagebucheintragungen und Briefen montierten Kapitel "Entscheidung" seiner Autobiografie beizufügen. Liest man die Eintragungen, so entsteht der Eindruck, Klaus Mann habe sich mit dem Mute der Verzweiflung in den Kriegseinsatz gestürzt: "15. Oktober [...] Depression hält an. 20. Oktober [...] Traurigkeit. 24. Oktober [...] Der Todeswunsch. 25. Oktober. Der Todeswunsch ' sonst nichts. 26. Oktober. Der Todeswunsch... (Wie lange erträgt man das?) 27. Oktober. Der Todeswunsch. Ich wünsche mir den Tod. Der Tod wäre mir sehr erwünscht. Ich möchte gerne sterben. Das Leben ist mir unangenehm. Ich mag nicht mehr leben. Es wäre mir äußerst lieb, nicht mehr leben zu müssen. Der Tod wäre mir entschieden angenehm. Ich wünsche mir den Tod. 1. November. Immer noch am Leben ... Die Arbeit hilft, ein wenig." (S. 600 f.) Neben solch tragischen Einschüben präsentiert der "Wendepunkt" ein schier unerschöpfliches Tableau an Persönlichkeiten, denen Mann begegnete, sei es in Europa, sei es in den USA. Sein Enthusiasmus angesichts mancher Schriftstellerkollegen und Künstler ist ansteckend, da aufrichtig und sympathisch geschrieben. Wer eine anregende und mitreißende Schilderung der (internationalen) Kulturbewegungen insbesondere während der dreißiger und vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts, während des deutschsprachigen literarischen Exils und in der Nachkriegsepoche sucht, kommt an diesem Meisterwerk nicht vorbei. Dieser Band wurde vorzüglich ediert, umso unverständlicher, dass er, wie die anderen Werke des Autors, zurzeit nur als Taschenbuch vorliegt.

  • Amazon Kunde
    2019-03-12 16:30

    Ich habe vor einem Jahr Klaus Manns Roman "Der Vulkan" für die Uni gelesen und war begeistert vom Schreibstil dieses, doch eher verkannten, Autoren. "Der Wendepunkt" ließt sich sogar noch besser als "Der Vulkan". Eine der wenigen literarischen Autobiographien, die mir wirklich gut gefallen hat.

  • Antonie Stryja
    2019-02-28 22:25

    Bekanntlich wird Klaus Mann in der Literaturkritik gern als „gescheiterter Sohn eines großen Schriftstellers“ dargestellt. Von diesem Klischee mag jeder halten, was er will. Möglicherweise sind seine Romane für manche Leser tatsächlich nicht sehr ergiebig. (Ich konnte zum Beispiel seinen „Mefisto“ vor lauter Langeweile wirklich nicht zu Ende lesen.) Bei diesem Buch handelt es sich aber um etwas anderes, um die Autobiographie eines Menschen, der nicht nur aufgrund bestimmter Umstände ein interessantes Leben in verschiedenen Hinsichten hatte, sondern auch die Fähigkeit, das Geschehen um ihn herum in einem breiteren Kontext begreifen, beurteilen und beschreiben zu können. Insofern ist das Buch schon allein aus historischem Interesse von Bedeutung, obwohl man Klaus Mann – im Unterschied zu vielen anderen Literaten seiner Zeit – die Kunst des Schreibens in einer kultivierten, ausdrucksreichen und zuweilen auch sehr unterhaltsamen Form nicht absprechen kann. Es ist durchaus möglich, daß er den Rang eines bedeutenden Schriftstellers erreicht hätte, wenn er länger gelebt, seine Prioritäten anders gesetzt und seine Persönlichkeit und schriftstellerische Tätigkeit hätte reifen lassen. Vielleicht fehlte ihm die Ausgeglichenheit und Geduld dazu; von einer bewußten Abgrenzung oder gar Konkurrenz zu seinem Vater kann jedenfalls – sofern man dieser Darstellung Glauben schenken kann – keine Rede sein. Wie auch immer, dieses Buch kann für viele Fragestellungen in bezug auf seine Person, Familie oder die damalige Zeit aufschlußreich sein.In zwölf Kapiteln beschreibt Mann die einzelnen Abschnitte seines Leben, und zwar weniger aus der Sicht eines Erzählers aus späterer Zeit, der kritischen Abstand zu seiner Vergangenheit bewahrt, sondern vorwiegend tatsächlich so, wie er es damals wahrgenommen und empfunden hatte. Das ist insofern gut, indem man die jeweiligen Lebensphasen und ihre Problematik psychologisch besser nachvollziehen kann. Allerdings ergibt sich daraus auch in formaler Hinsicht eine ziemlich ungleichmäßige Darstellung: Einige Abschnitte sind lebhaft und witzig geschrieben, zuweilen mit leicht ironischen Kommentaren versehen (so etwa die über die Kindheit oder später über die Reise mit seiner Schwester Erika nach Amerika und Asien); bei anderen überwiegt wiederum eher eine düstere Stimmung (vor allem die Kapitel übel Exil nach Hitlers Machtergreifung in Europa und später in Amerika, bevor er selbst während des Krieges zum amerikanischen Soldaten geworden ist). Dementsprechend sind auch nicht alle Passagen des Buches gleich interessant und leicht zu lesen. Seine Beschreibungen des Alltagsleben, der Personen oder Ereignisse sind meistens geistreich und ziemlich zutreffend, Schilderungen darüber, was er z.B. alles in seiner Jugend gelesen hat, mit entsprechenden Kommentaren, dürften einem Leser von heute eher von geringerem Wert und Aussagegehalt vorkommen. Das trifft auch zum Teil für seine zahlreichen Charakteristiken von (damals wohl allgemein bekannten oder gar berühmten) Personen zu, mit denen er irgendwann befreundet oder im Kontakt war.Insgesamt bietet Manns Darstellung der Künstler- Schriftstellerkreise der zwanziger und dreißiger Jahre interessante Einblicke ins Leben und Denken vieler einzelnen Personen sowie in das ganze Milieu, in dem er sich bewegte. Viele der Menschen, die er für besonders begabt, berühmt oder gar bedeutend hielt, sind nichtsdestoweniger, bis auf wenige Ausnahmen, heute (ob mit Recht oder mit Unrecht) längst vergessen. Die in diesen Kreisen ungewöhnlich hohe Selbstmordrate (in zwei Fällen handelte es sich sogar um Manns engste Freunde) ist nicht allein durch die politischen Umstände, sondern auch als psychologisches Phänomen zu erklären. Mann spricht selbst mehrere Male von einer Todessehnsucht, die auch als literarisches Motiv ziemlich beliebt gewesen zu sein scheint, folgt aber dem Beispiel seiner Freunde erst einige Jahre später.Vom ideengeschichtlichen Interesse dürften auch seine politischen Ansichten sein, die er seit etwa der Hälfte seiner Darstellung zum Ausdruck bringt. Im Unterschied zu vielen Zeitgenossen erkannte Klaus Mann mit größter Klarheit alle zivilisations- und menschenfeindlichen Aspekte der faschistischen bzw. nationalsozialistischen Weltanschauung und lehnte sie von Anfang an entschieden und eindeutig ab. Während der italienische Faschismus nur am Rande erwähnt wird (unter Mussolini sei Italien nicht sympathisch gewesen), hatte Mann die Gelegenheit Hitler und seine Anhänger aus der Nähe zu beobachten (Hitler traf er sogar persönlich einmal in einem Münchener Kaffee) und beschrieb ihn als primitiv, falsch, widerlich und giftig. Nach dessen Machtergreifung warnte er andauernd vor der Gefahr des Hitler-Regimes für die zivilisierte Welt, freilich ohne im Exil viel Gehör zu finden, ehe die Destruktivität dessen Vorhaben tatsächlich zum Tragen kam. Daher mutet es doch ziemlich befremdlich, wenn auch angesichts des damaligen intellektuellen Zeitgeistes nicht überraschend, wie der in bezug auf den Nationalsozialismus so scharfsinnige, ansonsten eher unpolitische Kritiker angesichts der zweiten totalitären Ideologie – des Kommunismus, und dessen konkreter Verwirklichung in der damals stalinistischen Sowjetunion die gleichen beträchtlichen Wahrnehmungsdefizite aufweist wie viele seiner politisch engagierten Zeitgenossen.Bezeichnend dafür ist seine Beschreibung des Schriftstellerkongresses in Moskau 1934, an dem er teilnahm und zu dem er anschließend eine scheinbar ambivalente Haltung annahm. Einerseits scheint er beeindruckt vom Stil und der Größe der Veranstaltung und dem „Anteil, den die Massen an den Problemen und Leistungen der Schriftsteller nahmen“, andererseits stören ihn einige Züge des Regimes, die er offensichtlich trotz der ihm gezeigten potemkinschen Dörfer dennoch wahrnahm: den Personenkult um Stalin sowie den starren Dogmatismus im Denken, der auch während des Kongresses vor allem bei den dort anwesenden unumstrittenen Autoritäten um Maxim Gorki zum Ausdruck kamen. Er versucht aber selbst die von ihm beobachteten Mängel und Unstimmigkeiten als Kinderkrankheiten eines jungen Staatswesens zu entschuldigen. Eine ähnliche, sich selbst verordnete, aber wenig überzeugende, Ahnungslosigkeit bringt er zum Ausdruck, wenn er (schon im amerikanischen Exil) über den Hitler-Stalin-Pakt erfährt und nur mit höchst unsicheren Konstrukten als eine vorübergehende Notlösung, zu der die Sowjetunion durch die „Appeasement-Politik“ des Westens gegenüber dem Faschismus gedrängt wurde, oder ähnliches wegzuerklären sucht, und scheint sichtbar erleichtert, als diese unheilige Allianz durch Hitlers Überfall auf Rußland zu Ende ist. Ähnlich unglaubwürdige Erklärungen (als eine Art strategische Vorsichtsmaßnahmen) erfindet er für die Schauprozesse oder auch den russischen Überfall auf Finnland. Seine Werturteile in bezug auf das Sowjetregime waren somit nicht durch vollständige Unwissenheit über das reale Geschehen, sondern durch die Illusion geprägt, die er sich über eine neue Weltordnung, die bei ihm zwar nicht durch die Sowjetunion allein verkörpert, aber zumindest deren wesentlicher Teil war. Die russischen Emigranten, die er schon in den zwanziger Jahren a.a. in Berlin antraf, betrachtete und beschrieb er als bloße Witzfiguren, die möglicherweise früher selbst ihre Untertanen unterdrückt hatten und später mit einigen Wertsachen geflüchtet sind, um sich ein einigermaßen angenehmes Leben fern von Mütterchen Rußland leisten zu können. Seine allgemeinen Vorbehalte gegen den Kommunismus erklärt er durch seine eigene Lebenshaltung eines unpolitischen Schriftstellers, der eher an den individuellen ästhetisch-erotisch-religiösen Aspekten des Menschen interessiert sei, die der Kommunismus als Weltanschauung nicht erfassen oder erklären kann. Ziemlich dürftig angesichts der verübten Massenverbrechen, deren Ausmaß er vermutlich nicht ahnte, die ihm jedoch kaum gänzlich verborgen bleiben konnten und es auch nicht waren. Daß er sie zu rechtfertigen suchte, zeigt nur wieder ein Beispiel für die große Widerstandskraft des hoch ansteckenden Virus, der die Wahrnehmungsfähigkeit vieler Intellektuellen einseitig ausschalten kann. Man sollte es vielleicht lieber als historisches Dokument einer Denkweise betrachten, die durch die Dominanz eines bestimmten Feindbildes stark beeinfluß wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Mann seine verzerrte Wahrnehmung später (z.B. nach Stalins Tod und den darauffolgenden teilweisen Enthüllungen seiner Verbrechen) korrigiert, wenn er weitergelebt hätte.Einige Wahrnehmungsdefizite bezogen sich allerdings auch auf politische Sachverhalte oder Personen, die mit den Sympathien für die Sowjetunion nichts zu tun haben. Ein markantes Beispiel stellt etwa Manns Beschreibung des damaligen tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Beneš (von Mann völlig bedenkenlos phonetisch als „Benesch“ geschrieben), den er persönlich kannte und vermutlich schätzte. Eigentlich hätte Mann all die von ihm geäußerten auf angeblich äußerst rationalen strategischen Überlegungen beruhenden Behauptungen als äußerst irreführende Illusionen enthüllen oder zumindest später nachprüfen können. Daß Beneš in Wirklichkeit kein mit rationaler Einsicht und diplomatischer Klugheit begabter Stratege und mit Weisheit und Voraussicht zum Wohl seines Vaterlandes handelnder Staatsmann war, sondern vielmehr ein selbstgefälliger Intrigant, der mit größter Sicherheit die Situation fast immer völlig falsch einschätzte, für sich aus der Notlage aus eine fast diktatorische Vollmacht beanspruchte, dabei aber verkehrte Entscheidungen traf und die Tschechoslowakei zweimal kampflos einer fremden Macht auslieferte, was sich bald nicht als ihre Rettung, sondern eher als Verderben herausstellte, konnte Klaus Mann bei seinem Besuch nicht wissen. Seine Darstellung des klugen und verantwortungsvollen Mannes an der Spitze der tapferen Tschechoslowakei, die seiner Familie ihre Staatsangehörigkeit gewährte, mutet dennoch ziemlich befremdlich an.Trotz aller Bedenken in bezug auf bestimmte Seltsamkeiten und zum Teil kaum nachvollziehbare Ansichten des Autors bietet das Buch eine große Menge Material zum Nachdenken oder Nachhaken und stellt in dessen Gesamtheit ein wertvolles Dokument über des Geschehen und den Zeitgeist der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Es erschien ursprünglich in Amerika und wurde auf Englisch verfaßt; die deutsche Fassung weicht vom Original ab, Mann hat sie selbst fast vollständig überarbeitet und ergänzt; die letzten Kapitel bestehen nur noch aus seinen Tagebucheinträgen und schließlich Briefen an Familienangehörigen und Freunde, die dennoch ein Bild seines damaligen Lebens bieten, das er jedes Mal mit ausführlichen Überlegungen zu verschiedenen Themen kommentierte, vor allem der Zeit in der amerikanischen Armee und noch einige Zeit danach. Das Nachwort (in der Ausgabe von 1984) stammt von seinem Neffen Frido Mann.

  • Jan Philip Müller
    2019-02-28 21:20

    Diese Buch ist wie ein völlig neues Buch und ist scheinbar nicht benutzt.Es ist viel besser als ich erwartet habe