Read Erinnerungen eines Insektenforschers VIII: Souvenirs entomologiques VIII by Jean-Henri Fabre Online

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Fabre schickt seine Leser auf literarische Insektensafaris, auf Reisen, wie man sie von Gulliver und anderen unglaublich geschrumpften M nnern und Kindern kennt Ulrich Baron...

Title : Erinnerungen eines Insektenforschers VIII: Souvenirs entomologiques VIII
Author :
Rating :
ISBN : 3882216786
ISBN13 : 978-3882216783
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : Matthes Auflage 1 24 Oktober 2016
Number of Pages : 567 Pages
File Size : 668 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Erinnerungen eines Insektenforschers VIII: Souvenirs entomologiques VIII Reviews

  • Volker M.
    2019-02-06 17:09

    Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Der Verlag hat mit Ulrich Kunzmann offenbar einen würdigen Partner für den kongenialen Übersetzer der ersten Bände von Fabres "Souvenirs entomologiques", Friedrich Koch, gefunden. Es ist keine allzuweit hergeholte Vermutung, wenn ich Kochs fortgeschrittenes Alter (er ist jetzt 83) als Grund für die Verzögerungen von mittlerweile mehreren Jahren bei der Publikation der zehn Bände annehme. Es würde eine Sisyphosaufgabe, das habe ich schon zu Beginn in 2010 prophezeit, und Sisyphos ist noch nicht fertig. Der hier vorliegende achte Band ist aber seit langem der erste, der wieder pünktlich erschienen ist und Kunzmann arbeitet auf dem gleichen hohen Niveau wie Koch. Offenbar fand ein intensiver Austausch statt, denn Kochs charakteristische, ausgesprochen farbige Wortwahl, seinen melodischen Satzbau und die hymnische Lobpreisung der Natur übernimmt Kunzmann in gleicher Art und Weise, zumindest konnte ich keine stilistischen Unterschiede feststellen. Es ist beruhigend zu wissen, dass diesem einzigartigen Projekt nicht die Luft ausgehen wird, denn das wäre zutiefst bedauerlich. Nach über 100 Jahren werden Jean-Henri Fabres Naturbeschreibungen erstmals vollständig dem deutschen Publikum zugänglich - und das ist gut so.Der achte Band versammelt eine größere Artenvielfalt als je zuvor. Er entstand über zwanzig Jahre nach dem ersten Band, Fabre war bereits ein alter Mann, der nicht damit rechnete, dass er einmal ein biblisches Alter erreichen würde. Mehr noch als in den Vorgängerbänden weckt er daher seine Kindheitserinnerungen und lässt eine Welt vor unserem inneren Auge entstehen, die wir uns heute kaum noch vorstellen können. So arten- und individuenreich ist unsere ausgeräumte, von Insektiziden vergiftete Natur schon seit Generationen nicht mehr, es gibt also niemanden mehr, der sich erinnern könnte. Wer wissen will, wie viel wir tatsächlich verloren haben, der darf gerne bei Fabre nachlesen, dass es einmal Zeiten gab, in denen der Schwalbenschwanz so häufig war wie der Kohlweißling. Fabre hat wohl geahnt, was mit seinem Paradies geschehen würde und vielleicht steckt deshalb in seinen Beschreibungen soviel Herzblut.Seine unendliche Geduld und Hartnäckigkeit lassen Fabre diesmal zum Entdecker der Zweigenerationenfolge der Schmalbiene mit einer reinen Jungfernzeugung im Frühjahr werden und er erforscht das seltsame Leben der Terebinthen-Gallblattlaus, die ebenfalls die Jungfernzeugung beherrscht, lebende Junge zur Welt bringt und sich seltsame Gallen als Wohnung errichtet. Manchmal bleiben aber doch Dinge im Dunkel, die er gerne gewusst hätte. Trotz jahrelanger Suche findet er den Überwinterungsplatz der Terebinthen-Blattlaus nicht, dennoch ist das Beispiel geeignet, Fabres ausgezeichnete Beobachtungsgabe zu belegen: Im Gewimmel der winzigen Blattläuse findet er gleich fünf Arten, die sich kaum voneinander unterscheiden. Er ist ein Meister des Details.Wie in den vorangegangenen Bänden liegt Fabres besonderes Interesse bei ungewöhnlichen Fortpflanzungsstrategien und im Parasitismus. Diesmal entdeckt er zwischen Gemeiner Wespe und Schwebfliege sogar eine echte Symbiose. Es müssen nicht immer die exotischen Insekten sein, die ihn faszinieren. Speckkäfer, Fleischfliegen, Radnetzspinnen, so wie einige häufige Fruchtschädlinge wie Bohnen- und Erbsenkäfer bedeuten ihm genauso viel. Von den "Klassikern", die im Auszug auch schon früher auf Deutsch erschienen sind, ist im achten Band der Rosenkäfer vertreten.Leider hat der Verlag immer noch keine Synonymliste der leider nicht selten veralteten Genera in den (sehr kurzen) Kommentar aufgenommen. Es wäre wenig Aufwand und hätte doch einigen Nutzen für den Leser. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt. Möge auch der nächste Band pünktlich erscheinen.

  • Rainer Ascherson
    2019-02-23 16:09

    Im neusten Band von Fabres Erinnerungen geht es um die einfachsten und anmutigsten Formen der Natur: das Vogelei; das von Gott gesandte Gemüse: die Bohne; aber auch um einen Mörder und Henker: die Raubwanze.Fabre füttert diese mit Rosenkäfer, Heuschrecken und Baumwanzen, die diese "hässlichen Biester" dann nächtens leersaugen. Die Opfer werden erst gelähmt und dann ausgesaugt.Um dahinter zu kommen, wie die Raubwanzen sich entwickeln hat Fabre eine "Bodyfarm" mit offenen Faulkübeln, bestückt mit toten Maulwürfen, Nattern, Eidechsen, Kröten und Fische, auf seinem Gelände initiiert.Das Schlüpfen der Larven aus den Insekteneiern erfordert Geduld: zwei Wochen lang von früh bis spät überwacht Fabre ca. 100 Eier, bis sie endlich schlüpfen.Richtig eklig wird es dann, wenn Fabre von seinen Experimenten erzählt, indem er der Frage nachgeht "wie zersetzt sich Materie, wenn sie leblos wird?"Zuerst kommen die Fliegen, deren Larven das tote Tier in einem wabernden Brei umwandeln. Dieser Biotop ist dann Lebensraum für viele Spezialisten: der Großkieferige Raubkäfer trinkt die Jauche, die sich aus dem toten Tier ergießt. Der Stutzkäfer frisst die Maden, der Speckkäfer den Knorpel, die Motten ernähren sich von den Hautresten, der Geperlte Erdkäfer frisst die Tierhaare und Knochen.Innerhalb von zwei Wochen ist so eine komplette Schlange verarbeitet.Kommen wir zum zweiten Schlagwort der Rezension: "Not amused". Auf den Seiten 276ff schildert Fabre ausführlich wie er zu einem Wespennest kommt. Dadurch nämlich, dass er einen Cocktail aus Benzin, Schilfrohr und Lehmerde in das Wespennest schüttet. Nach dem Motto "Tote Wespen stechen nicht." Fabre schreibt: "Die Methode ist brutal, doch ungefährlich." Stimmt, für die Wespen bedeutet dies allerdings ein Massaker, sie sind tot. Solche Methoden gehen m. M. nach gar nicht bei der Tierbeobachtung.Zum Schluss erzählt uns Fabre noch etwas über den Bau des Netzes und der Brutpflege diverser Spinnen.Dem Buch ist ein Essay beigefügt, der sich mit dem Verhältnis Fabres zur Taxonomie beschäftigt.Sollte der Text überarbeitet werden, möchte ich auf eine kleine Unstimmigkeit hinweisen. Auf der Mitte der Seite 267 wird auf das Nest der Mittleren Wespe hingewiesen: "Man betrachte die folgende Abbildung, die das Objekt in natürlicher Größe zeigt". Auf den folgenden Seiten gibt es aber keine Abbildung. Allerdings zwei Seiten vorher ist ein Nest dargestellt, dass – möglicherweise – gemeint ist.Bin sehr gespannt auf den nächsten Band von Fabres Erinnerungen, laut Verlagswebsite soll dieser im November 2018 erscheinen.