Read Irrfahrten: Autobiographie eines Psychiaters (Edition Das Narrenschiff) by Erich Adalbert Wulff Online

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Er ffnete als erster eine geschlossene psychiatrische Abteilung und betrieb die Aufhebung der Geschlechtertrennung lange vor der Psychiatriereform Er engagierte sich gemeinsam mit Franco Basaglia und anderen internationalen Psychiatern f r eine Demokratisierung der Psychiatrie In den 70er und 80er Jahren z hlte Erich Wulff zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen nicht nur als Psychiater, sondern auch als Autor und Aktivist f r die Befreiungsbewegungen der Dritten Welt Seine Autobiografie gibt Einblicke in ein bewegtes Leben mit manchen Irrfahrten und l sst gleichzeitig bedeutende politische Ereignisse der letzten 40 Jahre Revue passieren.Der 1926 in Estland geborene Arztsohn Erich Adalbert Wulff wird als Jugendlicher noch in die letzten Aufgebote des Krieges gezogen, berlebt und ger t w hrend der Nachkriegswirren nach Westfalen In K ln beginnt er, Medizin und Philosophie zu studieren, gefolgt von Lehr und Wanderjahren in Frankreich und Deutschland In Paris das sein neuer Lebensmittelpunkt wird , bewegt er sich in K nstler und Intellektuellenkreisen und freundet sich eng mit Julio Cortazar an.1961 geht er als Arzt und Hochschullehrer ins damalige S dvietnam, bekommt Kontakt zum Vietcong und anderen oppositionellen Kreisen und beginnt, Informationen ber Mord und Folterpraktiken des damaligen Regimes au er Landes zu schmuggeln Diese Erfahrungen ver ffentlicht Erich Wulff in dem Buch Vietnamesische Lehrjahre , das 1968 bei Suhrkamp erschienen ist und wichtige Anst e f r die von breiten Kreisen getragene internationale Bewegung gegen den Vietnamkrieg liefert Als Psychiater arbeitet Wulff in Gie en, Freiburg und Marburg, ffnet als erster Arzt in leitender Position die T ren einer geschlossenen Abteilung und betreibt die Aufhebung der Geschlechtertrennung Ende der 60er Jahre, weit vor jeglicher Psychiatriereform Fr h trifft er mit Franco Basaglia zusammen, mit dem er eine Gruppe von internationalen Psychiatern ins Leben ruft, die sich der dringend gebotenen Reform der Psychiatrie in ihren L ndern verschrieben haben.Sein gesellschaftspolitisches Engagement, seine publizistische Arbeit in den 70ern ist er u.a Mitherausgeber der marxistischen Zeitschrift Das Argument und seine radikalreformerische fachliche Haltung machen ihn in den folgenden Jahren zu einem der bekanntesten deutschen Intellektuellen was seiner beruflichen Karriere allerdings nicht f rderlich ist So dauert es bis 1974, bis er, obwohl l ngst habilitiert und seit 1968 professeur associ an der Universit t Paris Vincennes , an der Medizinischen Hochschule Hannover den Lehrstuhl f r Sozialpsychiatrie erh lt.Erich Wulffs bewegtes Leben ist untrennbar verbunden mit seiner wissenschaftlichen Arbeit Noch heute sind seine Arbeiten zur Ethnopsychiatrie und seine Strukturanalysen des Wahnsinns grundlegend Im vorliegenden Buch beweist er einmal mehr seinen Mut Vorbehaltlos erz hlt er nicht nur vom Gelingen, sondern auch vom Scheitern im eigenen Leben....

Title : Irrfahrten: Autobiographie eines Psychiaters (Edition Das Narrenschiff)
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ISBN : 3884143018
ISBN13 : 978-3884143018
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : Psychiatrie Verlag Auflage 1 1 Januar 2001
Number of Pages : 630 Seiten
File Size : 876 KB
Status : Available For Download
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Irrfahrten: Autobiographie eines Psychiaters (Edition Das Narrenschiff) Reviews

  • Dietrich Marquardt
    2019-02-22 22:57

    1968 erschien im Suhrkamp-Verlag unter dem Pseudonym Georg W. Alsheimer ein umfangreiches Buch, das vermutlich relativ wenige Leser fand, aber trotzdem eine große Wirkung erzielt haben dürfte: "Vietnamesische Lehrjahre." Hier beschrieb ein westdeutscher Arzt seine Erlebnisse in den Jahren 1961 bis 1967 vor allem in der alten vietnamesischen Kaiserstadt Hue, in der eine starke neutralistische Strömung buddhistischer Prägung gegen die immer stärkere Intervention der USA in Südvietnam aktiv war. Alsheimers Kontakte zu Westdeutschen, Franzosen und US-Amerikanern einerseits, zu Vietnamesen aller politischen Richtungen andererseits ermöglichten dem Autor einen einzigartigen Einblick in das politische und gesellschaftliche Geschehen dieser Jahre.1979, wenige Jahre nach dem Abzug der US-Amerikaner, dem Sieg der Kommunisten und der Wiedervereinigung des Landes erschien ebenfalls bei Suhrkamp der kritische Bericht Alsheimers, jahrelang international aktiv in der "Vietnamsolidarität" über "Eine Reise nach Vietnam".Der Autor beider Bücher, Erich Wulff, emeritierter Professor für Sozialpsychiatrie Hannover, hat nunmehr seine Autobiografie unter dem leicht ironischen Titel "Irrfahrten. Autobiografie eines Psychiaters" vorgelegt.Das Buch enthält keine spektakulären Enthüllungen, es bietet keine Abrechnungen mit der eigenen Biografie oder mit politischen Weggefährten. Wer solche Erwartungen hatte, kann das Buch ignorieren. Wer dagegen einen Lebensbericht erwartet, der sich um Offenheit und kritische Reflexion bemüht, und ein gut lesbares, interessantes Buch dazu - dem kann es sehr empfohlen werden. Am 6. Nov. 1926 in Estland in eine gutbürgerliche Familie hineingeboren, zu deren Freunden der estnische Staatspräsident gehörte, erlebt Wulff die Übersiedlung nach Deutschland am 6. Nov. 1939, die im Zusammenhang mit dem Hitler-Stalin-Pakt erforderlich zu sein scheint, als Vertreibung aus dem Paradies. Das militaristische Deutschland erlebt er als fremd und feindlich.Wulff studiert zunächst Philosophie, die zu dieser Zeit noch die universitäre Psychiatrie beherbergt. Sein Weg als Arzt und Psychiater ergibt sich durch das Vorbild des Vaters und den ortsbedingten Kontakt mit der psychiatrischen Landesklinik in Marburg fast selbstverständlich. Die Abschnitte über Wulffs Begegnungen mit Kranken, Ärzten und Pflegern in "Cappel" sind sehr eindrucksvoll und machen das spätere Engagement des Autors für eine "offene" Psychiatrie plausibel. Dieses erfolgt in Zusammenarbeit mit bekannten "Antipsychiatern" wie Franco Basaglia.Dem Muff der Nachkriegszeit entflieht Wulff durch möglichst häufige Ausflüge nach Paris. Dort findet er Anschluss an die vom Existenzialismus eines Sartre und einer Beauvoir geprägte intellektuelle Szene. Seine Schriften finden in Frankreich mehr interessierte Aufnahme als im engstirnigen Westdeutschland des Wirtschaftswunders.Die Chance, im Auftrag der Universität Freiburg und im Einverständnis mit der Bundesregierung nach Vietnam zu gehen, lässt sich Wulff (auch aus Abenteuerlust, wie er einräumt) nicht entgehen. Schnell lernt er die vietnamesische Sprache verstehen und sogar sprechen - etwas das den meisten selbst lange im Land lebenden "Westlern" nicht gelingt. Es sind nicht nur Arroganz und die üblichen Schwierigkeiten beim Erlernen einer fremden Sprache - es sind die spezifischen Denkstrukturen, die die vietnamesische Sprache dem westlichen Denken verschließen. Wulffs Analysen zu vietnamesischer Sprache und Denkweise und dem Zusammenhang mit Geschichte und Sozialstruktur des Landes, veröffentlicht etwa im Band "Ethnopsychiatrie" sind bemerkenswert.Die Jahre in Vietnam werden für Wulff zu seinen "vietnamesischen Lehrjahren", der vage links stehende Intellektuelle sieht sich zu einem aktiven Engagement gegen den US-Krieg und später zu einer aktiven Parteinahme für die vietnamesische nationale Befreiungsfront FNL veranlasst. Die politischen Erstarrungen verbunden mit Fraktionskämpfen, die Verbrechen auch gegen einzelne Freunde Wulffs und den wirtschaftlichen Niedergang durch massive Richtungswechsel von Überzentralisierung und "Liberalisierung", wie sie die achtziger Jahre kennzeichnen, erlebt und verarbeitet Wulff als schmerzhaft und ernüchternd. Einer eigenen Bilanz dieser Entwicklung verweigert er sich in der Autobiografie.Das private Leben wird offen geschildert - ohne exhibitionistischen Habitus. Erst relativ spät findet der Autor seine aus sephardischer Familie stammende Frau Marina, mit der er drei Kinder hat. Sie werden von der jüdischen Mutter und dem atheistischen Vater zumindest in jüdischen Traditionen erzogen.Die schöne, präzise, nie unnötig komplizierte Sprache des Autors macht das Buch zu einer angenehmen, anregenden Lektüre. In den letzten Kapiteln wird der Fluss des reflektierenden Berichts durch Auszüge aus Briefe und Reden -Wulffs unterbrochen. Ein Namensregister fehlt. Es würde einen zusätzlichen Anreiz zum Lesen bieten und die Rekonstruktion einzelner Begegnungen erleichtern, seien es die mit Prominenten wie Karlheinz Stockhausen oder der fast vergessenen Helga Koppel.Der wunderschöne Abschnitt über Wulffs Pariser Begegnung mit dem Bildhauer Alberto Giacometti, kurz vor dessen Tod, ist ein kleines Juwel in diesem bemerkenswerten Buch, das in einem elegischen, vom Abschied nehmen geprägten Ton geschrieben ist.